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DEIN YOGA OSTERSPECIAL

DEIN YOGA OSTERSPECIAL:

Über die Kleshas – Leid loslassen und wiederauferstehen 

Das Osterfest symbolisiert die Wiederauferstehung. Ich habe erfahren, was das bedeutet: Großes Leid, wie der Tod eines geliebten Menschen, kann einen Entwicklungsschub auslösen. Du erkennst, was in Deinem Leben wirklich Bedeutung hat und fokussierst infolge darauf. Und ja, eines Tages kannst Du auch wieder Dein Leben – vielleicht sogar mehr als jemals zuvor – genießen. Den Kleshas, also leidvollen Anspannungen in Geist und Körper bzw. energetischen Blockaden, die Du annehmen und loslassen kannst, anstatt Dir das Leben schwerer zu machen, ist dieser Blogbeitrag gewidmet. 

Aus dem Drama aussteigen und Dich dem Leben hingeben

Es ist Deine Entscheidung, eine belastende Situation a) zu verändern oder b) zu verlassen oder c) diese ohne weiteren Widerstand zu akzeptieren. Mit Letzterem ist nicht gemeint, dass Du aufgeben sollst und auch nicht, dass Du alles akzeptieren musst, sondern „einfach“ das Jetzt anzunehmen. Probleme und Leid erschaffst Du aus der Ablehnung dessen, was ist. Du hast die Wahl zwischen Widerstand & Leiden und Hingabe & inneren Frieden. Hingabe braucht Mut und das Vertrauen, das alles was geschieht, Deiner Entwicklung dient. Dich dem Fluss des Lebens anzuvertrauen, verändert nicht unmittelbar das was ist, sondern Dich. Denn eigentlich liegen die Probleme und Lösungen nicht in der äußeren Welt, sondern in Deinem Inneren. Anstatt also weiterhin zu versuchen, im Außen zu manipulieren und optimieren, kannst Du mittels Yoga, seiner achtsamen Atmung & Meditationsübungen lernen, Dich nach innen zu wenden, Dir Deine Empfindungen, Gedanken & Emotionen bewusst zu machen und Dich auf Deine Ressourcen zu besinnen. 

Die Kleshas – die Wurzel des Leidens erkennen und loslassen

Yoga zielt darauf ab, Dich selbst besser kennenzulernen und zu erkennen, wer Du bist und wie Du Dich in der Welt zurechtfinden kannst. Du bist mehr als Deine Sinne, über die Du die Welt erfahren kannst. Du bist mehr als Dein sterblicher Körper, Dein wertzuschätzender Tempel. Und, Du bist mehr als Dein Geist. Keine Frage, richtig gebraucht kann der Intellekt ein hervorragendes Instrument sein, um Wahrnehmungen zu analysieren, strukturieren und zusammenzuführen. Wenn Du Dich allerdings mit Deinem Verstand identifizierst, gewinnt er Macht über Dich. Dein Ego-Verstand sucht das Jetzt zu vermeiden, schwelgt in der Vergangenheit oder malt sich die Zukunft aus. Doch ein zu viel Nachtrauern schöner oder schmerzvoller Ereignisse lassen Zorn, Bitterkeit, Bedauern, Traurigkeit und Depression entstehen; und zu viele Sorgen um das Morgen erzeugen Unruhe, Anspannung, Stress und Phobien. So erschaffen Deine Gedanken Probleme und immer „neue“ Situationen, die diese Negativität nähren, zumal Du auch Menschen anziehst, die mit dieser negativen Energie mitschwingen (Resonanz). Es geht folglich darum, eine innere lebensbejahende Haltung zu kultivieren, präsent zu sein und dabei (wieder) alle Ebenen des Seins zu integrieren und nicht zuletzt achtsam zu handeln. Mehr dazu, wie Du Deine Wirklichkeit mit Deinem Fokus gestaltest, kannst Du in meinem Blog 5 nachlesen. 

Avidya – die unklare Wahrnehmung

Nach indischen Weisheitstexten ist die Wurzel allen Leidens die Verwechslung der Wahrnehmung darüber was Du bist, mit dem was Du wirklich bist: der wahren Natur Deines Seins, Deine – unsterbliche – Essenz. Reines Gewahrsein, inneres Licht, Liebe oder Stille, welche Bezeichnung für das Unsagbare auch immer gewählt wird, es kann vom Verstand nicht erfasst werden. Doch gibt es eine „Königsübung“, um Klarheit zu schaffen: Durch regelmäßige Meditation kannst Du Deinen Geist klären, um Einblick in das größere Ganze zu erfühlen. Stille führt zur Einheitserfahrung, zu einem Bewusstseinszustand inneren Friedens. Yoga kann auch als die Verbindung mit dem größeren Ganzen definiert werden. 

ALLTAGSÜBUNG 1: Der Atem ist unsere Körperintelligenz und das Tor zur Meditation. Komme in einen angenehmen, aufrechten Sitz oder in eine bequeme Rückenlage und schließe Deine Augen. Richte Deine Achtsamkeit auf Deinen Atem und damit Deine Sinne von der äußeren auf die innere Welt. Atme bewusst: gleichmäßig, fein und tief. Wird Dein Atem ruhiger, folgt ihm der Geist und umgekehrt. Wenn Gedanken auftauchen, dann lasse diese kommen und gehen wie Wolken am Himmel und kehre mit Deiner Aufmerksamkeit immer wieder zu Deiner Atmung zurück. Nimm in der Stille Deine Verbindung mit dem größeren Ganzen wahr. Verweile für einige Minuten und dann öffne sanft die Augen. Kehre mit einem friedlich konzentrierten Geist und entspannten Körper in Deinen Alltag zurück. 

Aus der unklaren Wahrnehmung unseres Seins leiten sich vier weitere Leidensfaktoren ab: I) Ego, II) Verlangen, III) Abneigung und IV) Angst vor der Vergänglichkeit allen Seins:

I) Asmita – Ego

Ein Ich-Gefühl ist in gewissem Maß existenziell; Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl & Selbstvertrauen sind gesund. Davon zu unterscheiden ist allerdings das Ego, das uns erniedrigt oder überhöht, das „will“ oder „nicht will “, erwartet, urteilt, polarisiert und Druck ausübt. Aus der Ich-Zentriertheit nehmen wir uns isoliert und getrennt von der Welt bzw. dem größeren Ganzen wahr und suchen unser Glück im Außen – in Situationen, Menschen und Dingen –, womit wir ständig zwischen Haben-Wollen und Vemeiden-Wollen (II & III) hin- und hergerissen sind.

REFLEXION 1: Mache Dir immer wieder bewusst, was, warum, wie und mit wem Du etwas tust. Reflektiere mit welchen Äußerlichkeiten Du Dich identifizierst, Dein Ego stärkst – und Deinem Selbst im Wege stehst: Mit Deiner Bildung, Deinen Auszeichnungen, Deinem Beruf, Deiner Macht, Deinem Einkommen, Deinem Besitz und Statussymbolen, Deiner Rolle als Mutter/Vater, Deinem sozialen Umfeld, Deinem Aussehen,... ? 

II) Raga – Verlangen

Unser dominierendes Wirtschaftssystem lebt davon: Aus einem (suggerierten) Mangelgefühl heraus müssen wir begierig immer mehr haben und geraten in Abhängigkeit und Suchtverhalten, was uns und unsere Mitwelt leiden lässt. Angenehme Sinneseindrücke und Erinnerungen nähren die Erwartung, dass etwas so bleiben bzw. sich immer genau so wiederholen soll. Da die einzige Konstante im Leben die Veränderung ist, erwächst daraus Leid. Ich plädiere hier keineswegs für ein Genuss-befreites, wunschloses Leben in Askese, sondern dafür, sich an den schönen und sinnlichen Seiten des Lebens zu erfreuen, ohne sich daran festzuklammern: Loslassen aus der Erkenntnis, dass Anhaften Leiden schafft.

REFLEXION 2: Wann immer Dich ein starkes Verlangen überkommt, hinterfrage es: Will bzw. brauche ich das jetzt wirklich? Tut es mir gut? Welcher Wunsch bzw. welches Bedürfnis steckt dahinter? 

III) Dvesha – Abneigung

Da wir unangenehme Erfahrungen und Empfindungen nicht nochmals erleben wollen, lehnen wir Situationen bzw. Personen, die wir damit in Verbindung bringen, ab. Verachtung, Neid & Missgunst, Böswilligkeit, Ärger, Zorn und Hass lösen eine Abwehrhaltung aus und führen zu körperlichen & geistig-seelischen Anspannungen und Krankheiten. Ein genauerer Blick auf Konflikte mit Nachbarn, Kolleg/innen oder in der Familie, spiegelt häufig unsere nach außen verlagerten triebhaften, irrenden, leidenden Schattenseiten. Werden diese nicht integriert, kann aus der geistigen Barriere Fremdenfeindlichkeit, religiöser Fanatismus, Krieg und Terror erwachsen.

REFLEXION 3: Warum löst diese Situation, dieser Mensch, so starke Gefühle in Dir aus? Was und warum lehnst Du etwas bzw. jemanden ab und was hat das mit Dir zu tun? Was wäre eine positive, gegenteilige Entsprechung dieser Gedanken & Gefühle? 

Es ist Deine Entscheidung, eine negative Betrachtungsweise, etwa von Verzicht & Unzufriedenheit oder Ablehnung und die damit verbundenen negativen Emotionen, in eine positive innere Haltung von Zufriedenheit mit dem was ist bzw. Gelassenheit gegenüber dem Auf und Ab des Lebens, in Vertrauen und Hingabe, sowie Dankbarkeit für das was Dir das Leben schenkt, zu wandeln. 

IV) Abhinivesha – Angst

Flauer Magen, flacher Atem, weiche Knie – Angst hält uns davon ab, unnötige Risiken einzugehen. Die Angst vor Veränderung, Verlust, Schmerz, Krankheit, Alter und Tod kann Dich allerdings handlungsunfähig und krank machen. Anstatt Ängste, Panik, Unsicherheit und Zweifel zu verdrängen, kannst Du innehalten und Dir diese bewusst machen & annehmen. Möglicherweise erkennst Du die Angst vor der eigenen Größe, Schönheit & Weisheit.

REFLEXION 4: Frage Dich, von welchen Gedanken Deine Angst hervorgerufen wurde und was es braucht, damit sich Angst bzw. Unsicherheit abbauen bzw. auflösen kann. 

Kleshas werden Dir in Deinem Leben immer wieder unterschiedlich stark begegnen. Mit fortschreitender Yoga-Praxis wirst Du Dich allerdings immer weniger davon beherrschen lassen und zunehmend Klarheit gewinnen.

Innere Haltung und Praxis des Yoga

Intellektuelle Einsicht durch das Studium von Weisheitstexten, sowie kontinuierliche, manchmal durchwegs schmerzhafte Selbsterforschung (svadhyaya) reichen nicht aus. Yoga muss praktiziert, gelebt, unmittelbar erfahren werden – mit einem klaren, offenen Geist und einem mutigen, wohlwollenden Herz. Zum Yoga gehören Selbstdisziplin, Engagement & Ausdauer, die Reinigung & Entgiftung Deines Lebens (tapas; siehe Blog 6) und eine besondere Qualität des Handelns: Hingabe (ishvarah-pranidhana). Das erfordert wiederum Verhaltensänderungen auf körperlicher, geistiger, emotionaler und zwischenmenschlicher Ebene. Gehe in kleinen Schritten voran und bleibe dabei liebevoll und geduldig mit Dir: Ein achtsamer Umgang mit Deinem Körper, Atem, Geist, Deinen Emotionen und Deinem Verhalten, ist insbesondere in herausfordernden Situationen nur durch stetes Bemühen & bewusstes Üben (abhyasa) mit einer gleichmütigen inneren Haltung des Losgelöst-Seins bzw. Frei-Seins (vairaga) erreichbar. Auf der Yogamatte übst Du diese Qualitäten für den Alltag. 

Erwachen – Yoga als Weg zur tiefen Freude des Seins und innerer Freiheit

Glück, Zufriedenheit und innere Freiheit kannst Du demnach nicht im Außen, im Materiellen oder in Beziehungen finden. Wende Dich nach innen (pratyahara) und erforsche Deine Seelen- und Möglichkeits(t)räume. Dort kannst Du finden, was Du nie verloren hattest. Du merkst, dass Du klar siehst und frei bist, wenn Du ein tiefes Gefühl von wacher Ruhe & innerem Frieden und keinerlei Druck oder Zwang zu reagieren, keine Anspannung & Aufregung mehr verspürst.

Nach Patanjali geht Befreiung noch weiter: Du hast alle Identifikationen mit der Welt, auch mit dem reinen Bewusstsein losgelassen und gehst über alles hinaus – völlige Transzendenz.

Ob das für alle Menschen realistisch ist, sei dahingestellt. In der Zwischenzeit: 

Respect and enjoy life! Denke weniger, atme mehr und komme ins Spüren. Nimm bewusst & urteilsfrei wahr. Bleib achtsam und gegenwärtig! Entscheide und handle im Einklang mit Deinem universalen Selbst. 

P.S.: Eines möchte ich bei all dem großartigen Potential von Yoga klarstellen: Yoga kann kein Heilsversprechen geben und ersetzt bei schwerwiegenden Problemen keinesfalls Arzt oder Psychotherapeutin. 

Literaturempfehlungen

siehe meinen Blogbeitrag Frühlingserwachen (1) zudem

Karven, Ursula / Skuban, Ralph: Loslassen – Yogaweisheiten für dich und überall. Arkana Verlag, München 2013.

Walch, Sylvester: Vom Ego zum Selbst. Grundlagen einen spirituellen Menschenbildes. O.W. Barth Verlag, München 2011.

Sriram, R.: Neun Schritte in die Freiheit. Theseus Verlag, Berlin 2001.